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„Diagnose Brustkrebs — Der Kampf der Uschi W.”

Uschi war voller Hoffnung. Sie hat den Film noch gesehen. Sie starb ein halbes Jahr nach dem Ende der Dreharbeiten.

 

Diagnose BrustkrebsDiagnose Brustkrebs

Aus: Kölner Stadtanzeiger
„Diagnose Brustkrebs - Eine Frau gibt nicht auf”
Langzeit-Dokumentation von Erika Fehse in der Reihe „Menschen hautnah”.
Sie heißt Uschi, ist 33 Jahre alt, von Beruf Gesundheitstrainerin an einem Zentrum für naturheilkundliche Forschung. Als sie im August 2000 erfährt, dass sie Brustkrebs mit Lebermetastasen hat, beginnt eine Zeit, in der sie auf "ihren Kern" stößt, wie sie sagt. Die Strecke von 15 000 Kilometer, die Uschi auf dem Weg zu den unterschiedlichsten Therapie-Zentren und Ärzten seitdem zurückgelegt hat, steht sinnbildlich für ihren langen Kampf, in dessen Verlauf sie durch Höhen und Tiefen geht, von euphorischen Hoffnungen beseelt bis in tiefe Verzweiflung getrieben wird. Beeindruckend ist dabei nicht nur, wie es der Filmautorin gelingt, ein plastisches Bild der sympathischen jungen Frau zu zeichnen, beachtlich ist auch, dass sie dabei die notwendige Distanz gewahrt hat, ohne die ein derart intimer Einblick peinlich berührt hätte. Erika Fehse entwickelt über einen Zeitraum von fast zwei Jahren eine keineswegs geschönte Persönlichkeitsstudie, die allgemein gültig ist, weil sie die Wurzeln des Menschseins berührt. Am Anfang steht Uschis Glaube an die Beherrschbarkeit der tückischen Krankheit: Sie kennt die Zusammenhänge zwischen Körper und Geist, zwischen ihrer psychischen Verfassung und deren Auswirkungen auf die physische Befindlichkeit. Und sie ist entschlossen, das bösartige Geschwulst mit allen erdenklichen alternativen Heilmethoden zu besiegen. Einmal träumt sie, die Krebszellen hätten sich in bunte Muscheln verwandelt. Tatsächlich bilden sich die Metastasen zunächst zurück. Umso härter trifft sie wenig später ein Rückfall. Als eine Freundin an Brustkrebs stirbt, ringt sie sich zu einer Chemotherapie durch ...
MARIANNE KOLARIK

Aus: Rheinische Post
Der Spiegel ihrer großen Ängste
Die junge Frau erzählt ihren Traum. Wie sie in einem Auto rückwärts fährt und den Wagen nicht stoppen kann. Dem Zuschauer schnürt sich die Kehle zu, weil er ahnt, was sie als nächstes sagen wird: "Der Krebs war wieder da." Zwei Jahre lang hat Erika Fehse die 33-jährige Uschi W. bei ihrem Kampf gegen den Brusttumor und die Lebermetastasen begleitet - und einen einfühlsamen, unaufgeregten und dennoch spannenden Film daraus gemacht. Spannend bleibt der Film, weil Fehse erst am Schluss verrät, ob Uschi W. den Kampf gewinnt. Maximal zwei Jahre betrage ihre Lebenserwartung, erklärt ein Arzt zu Beginn. Unaufgeregt ist der Film, weil Fehse Ärzte, Freunde, Eltern und Uschi selbst ganz nüchtern zu Wort kommen lässt. Keine Träne wird vor der Kamera vergossen. Nach der Chemo verschwindet der Krebs. Dann kommt er zurück. "Totaloperation", ist die Antwort der Ärzte. Uschi W. sagt nein. Einfühlsam wird der Film, indem er den Zuschauer in Uschis Perspektive versetzt, ihre Hoffnungen, ihre Ängste spiegelt. Ihre Träume verfilmt sie, die Krankenhaus-Szenen sind in ein kühles Blau getaucht, die Bilder bei den verschiedenen Naturheilverfahren warm und freundlich. Das ändert Fehse erst, als die Schulmedizin Uschi vor dem nahen Tod rettet. Ein gut gemachtes, packendes Porträt. MARTIN ROSE

Aus: NRZ
Auf einen Schlag ist nichts mehr so wie vorher
Von Michael Glasen
Nichts ist mehr für Uschi W. so wie vor diesen Minuten, in denen die Ärzte ihr die Diagnose stellen: Brustkrebs. Der Tumor hat bereits gestreut, Metastasen haben ihre Leber befallen, die Heilungschancen sind schlecht, der Tod wohlmöglich nur noch eine Frage von Monaten. Das Leben der 33-Jährigen, die Träume und Pläne schrumpfen zusammen auf ein einziges überwältigendes Gefühl - die Angst vorm Sterben. Doch Uschi W. will von alledem nichts hören. Sie will leben und kämpfen gegen die bösartigen Zellen in ihrem Körper. Denn Uschi W. weiß intuitiv, dass jede Statistik auch Ausnahmen von der bitteren Regel kennt.
WDR-Autorin Erika Fehse begleitete die junge Frau über zwei Jahre lang auf einer Odyssee, die nur ein Ziel kannte: Heilung. Die so entstandene Reportage offenbart ebenso sensibel wie schonungslos die Innenwelt eines Menschen, der um sein Leben ringt. Das geht nah. Besonders, wenn man bedenkt, dass die Geschichte von Uschi W. stellvertretend für viele Schicksale steht. Allein in Deutschland erkranken Jahr für Jahr über 46000 Frauen an Brustkrebs, 18000 fallen der Tumorerkrankung zum Opfer. Eine Geißel, die jede Frau aus heiterem Himmel treffen kann.
Uschi W. hatte über Jahre als Gesundheitstrainerin mit Krebspatienten gearbeitet, viel Sport getrieben und von einer eigenen Familie geträumt. Nun lässt sie sich den eigenen Tumor entfernen. Zu aller Überraschung verschwinden die Metastasen in ihrer Leber nach einer mehrmonatigen Chemotherapie. Doch das Lächeln auf dem Gesicht von Uschi W. erlischt bald wieder: Der Krebs kommt zurück wie ein verdammter Fluch. Ihre Ärzte teilen ihr mit, dass nun beide Brüste entfernt werden müssten. Aber die 33-Jährige weigert sich. Sie wolle sich nicht "verstümmeln" lassen, entgegnet Uschi W. trotzig und wendet sich nach einer weiteren Chemotherapie alternativen Behandlungsmethoden zu. Nach zwei Rückfällen hat die junge Frau das Vertrauen in die Schulmedizin verloren. Nun versucht sie alles: von der Elektro-Therapie bis zur Tumor-Vereisung. Dafür fährt sie ihr Vater 15 000 Kilometer durch die Republik.
Schließlich vertraut sich Uschi W. in einem kleinen Bergdorf einer Naturheilkundlerin an, die Krebs durch Behebung seelischer Beschwerden im Unterbewusstsein heilen will. Die Ergebnisse sind erschreckend: Ihre Brüste entzünden sich und beginnen zu bluten. Eine Freundin, die ebenfalls bei der alternativen Therapeutin in "Behandlung" ist, stirbt qualvoll. Als sich Uschi W. wieder Schulmedizinern anvertraut, reagieren die Ärzte entsetzt. So große Krebswucherungen hätten sie noch nicht oft gesehen. Doch, und auch das macht diese Reportage so sehenswert, Uschi W. gibt die Hoffnung nicht auf...

Buch und Regie: Erika Fehse
Kamera: Jürgen Behrens
Schnitt: Angela Oechler
Redaktion: Wilfried Prill

 
 
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