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Wie der Himmel über der Ruhr wieder blau wurde
WDR-dok
 
Foto Foto Foto Foto Foto Foto Als Willy Brand 1961 den berühmt gewordenen Satz: „Der Himmel über dem Ruhrgebiet muss wieder blau werden!“ verkündete, war einiges in Bewegung geraten. Im Ruhrpott wollten immer mehr Menschen den Dreck, der aus den Schloten quoll, den Ascheregen, den Ruß und Gestank nicht mehr widerspruchslos hinnehmen. Der Film erzählt die Geschichte der frühen Aktivisten der Umweltbewegung – als es diese offiziell noch gar nicht gab.

In Hattingen prozessierten 1951 die Anwohner eines Kohlekraftwerks. Um vor Gericht zu bestehen, ließen die Menschen sich etwas einfallen: „Meine Mutter hatte dann weiße Bettlaken in den Hof gelegt. Und morgens ging man dann vorbei und guckte sich die Bettlaken an. Dann waren sie nicht mehr weiß, sondern waren grau!“, erinnert sich Kurt Pfläging. Doch all das nutzte nichts, denn die damals bestehenden Gesetze definieren den Staubausstoß als „ortsüblich“.

In Oer-Erkenschwick sorgte der Betriebsrat der Zeche dafür, dass sich Kreistags- und Landtagspolitiker 1954 mit den entlaubten Bäumen im Ort beschäftigen mussten. Sein Neffe, Harald Winter erzählt, wie die Werksleitung reagierte. Sie machte ein Angebot: „Wir entschädigen die Leute und dafür Betriebsrat, hängst du das nicht mehr an die große Glocke, sondern wir regeln das hier intern. Aber das wurde rund heraus abgelehnt von Willi Winter, er sagte: ‚Nein, wir werden das weiter verfolgen.’“

In Duisburg riefen Bürgervereine schon 1957 zu einer Protestversammlungen auf. „Die Bürgerinnen und Bürger verlangten Volksaufstände gegen Luftverunreiniger, entsprechend dramatisch muss die Situation gewesen sein.“ Zwei Jahre später der nächste Protest, zu dem 1000 Duisburger ins Bahnhofshotel in Meiderich strömten. Lautstark forderten sie neue Gesetze.

In Essen erforschten junge Wissenschaftler in der Kohlenstoffbiologischen Forschungsstation, wie viel Staub und Schwefeldioxid Pflanzen aushalten, ohne krank zu werden. Sie bestäubten die Pflanzen mit Zementstaub oder begasten sie mit Schwefeldioxid. Die Ergebnisse waren eindeutig. Schon sehr geringe Konzentrationen schädigten die Pflanzen. Die Ergebnisse sollten in einem „Schadatlas“ veröffentlicht werden. Doch es gab Gegenwind, wie sich Gisela van Haut erinnert: „Der Schadatlas, der wurde erst mal irgendwo versteckt. Ich weiß nicht aus welchem Grund. Ich glaube, dass es zu gefährlich war.“

Einige Stadtväter in der noch jungen Demokratie begannen, sich für die Gesundheit ihrer Einwohner einzusetzen. Erstmals wurde untersucht ob Kinder im Ruhrpott kränker sind als Landkinder. Zwei Ärzte aus Essen gründeten die erste Bürgerinitiative Deutschlands: Die „Interessengemeinschaft gegen Luftverschmutzungsschäden“.

All diese Aktivitäten führten dazu, dass die Politik sich mit der Luftverunreinigung befassen musste und 1959 und 1962 erste Gesetze auf den Weg brachte. „Ganz zweifellos hat Nordrhein-Westfalen eine Vorreiterrolle gespielt in der Luftreinhaltung für die Bundesrepublik. Ohne jeden Zweifel.“ bilanziert Franz Joseph Dreyhaupt.

Erste Erfolge waren schon Ende der 60er Jahre zu sehen – langsam verschwand der braune Rauch. Doch erst nachdem die Auswirkungen des sauren Regens Anfang der 80er Jahre sichtbar wurden, wurden Gesetze verabschiedet, die die Industrie zwangen, die Immissionen innerhalb der Werke aufzufangen. Richtig blau wurde der Himmel aber erst als immer mehr Betriebe schließen mussten.

Buch und Regie: Erika Fehse
Kamera: Stephan Grimm
Schnitt: Volker Gehrke
Ton: Klaus-Peter Baum / Christina Freitag
Fachberatung: Eckehard Koch
Redaktion: Gudrun Wolter



Fotos mit freundlicher Genehmigung von K-P Baum


Literaturempfehlung:

Ekkehard Koch
"Der Weg zum blauen Himmel über der Ruhr. - Geschichte der Vorläufer-Institute der Landesanstalt für Immisionsschutz"
Essen 1983

Franz-Josef Brüggemeier / Thomas Rommelspacher
"Blauer Himmel über der Ruhr"
Klartext Verlag, Essen 1992

Frank Uekötter
"Von der Rauchplage zur ökologischen Revolution"
Klartext Verlag, Essen 2003

Joachim Radkau
"Die Ära der Ökologie"
Verlag C.H.Beck München 2011


 
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