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Pressetext:
Es sagt sich so leicht: Er/sie hat mir das Herz gebrochen. Ist dabei wirklich
das Herz zu Schaden gekommen? Was passiert im Körper, wenn mann/frau
Liebeskummer hat? Das Selbstwertgefühl schwindet, Traurigkeit macht
sich breit, alles tut weh. Atemnot, Herzklopfen, Schlaf- und Energielosigkeit
gehören zu den Symptomen. Liebesschmerz kann zur existentiellen Bedrohung
werden.
Drei "Liebeskranke" stehen im Mittelpunkt des Films, beschreiben,
was ihnen fehlt: Astrid, 21 Jahre alt, hat sich mit 13 in Jens
verliebt. Die Schwärmerei dauerte lange, die Liebe war von kurzer
Dauer. Mit der Trennung kamen Essstörungen, Tränen, Neurodermitis
an den Augen und das Gefühl: "Mein Herz schafft das einfach
nicht". Bernd, 35, lernte im Urlaub eine Schweizerin kennen.
Sie war für ihn das wundervollste Wesen, das je auf Erden wandelte.
Er schwebte auf Wolken, wollte sie besuchen, doch sie schrieb, er solle
nicht kommen. Daraufhin lag er tagelang im Bett, fühlte sich krank,
dachte über Selbstmord nach. Angela, 67, verheiratet, zwei
Kinder wurde von einem Tag auf den anderen vor ihrem Mann verlassen. Sie
machte die schmerzliche Erfahrung, dass Kummer krank macht.
Der Film versucht zu ergründen, was in Kopf und Körper in diesen
Augenblicken, Tagen, Monaten oder Jahren passiert. Es äußern
sich: Prof. Dr. Dietrich von Holst, Tierphysiologe, Bayreuth; Prof. Dr.
Klaus E. Grossmann und Dr. Karin Grossmann, Psychologen, Regensburg; Dr.
Birgitt Röttger-Rössler Ethnologin, Göttingen; Prof. Gerald
Hüther, Neurologe, Göttingen; Prof. Schulz-Venrath, Psychosomatiker,
Köln.
Aber auch die Dichtung hat ihren Platz:
Mein Herz springt eilends,
sobald ich an meine Liebe zu Dir denke.
Es lässt mich nicht wie ein Mensch gehen
und hüpft auf seinem Platze.
"Halte nicht an! Du erreichst das Ziel!"
sagt es mir, so oft ich an ihn denke.
Mach mir, mein Herz, keinen Kummer! Warum handelst du töricht?
(Altägyptisches Liebeslied)
Deutsche und französische Erstausstrahlung, 54 Min.
Kamera: Helge Brikzinsky
Ton: Guy Mertin
Schnitt: Volker Gehrke
SprecherIn: Bernd Kuschmann/Patricia Harrison
Recherche: Silke Steinkamp
Produktionsleitung: Cornelia Volmer
Produzent: Gerd Haag
Redaktion: Vivien Marx
Eine Co-Produktion von TAG/TRAUM mit ZDF
in Zusammenarbeit mit ARTE
©ZDF 2001 |
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Die Taz-Kritik zum Film
Aus: Welt
Balsam für die Seele
Dem Olympier Goethe galt das Buch der Liebe als wunderlichstes aller Bücher.
"Wenig Blätter Freuden, ganze Hefte Leiden." Und schrieb
die schönsten Liebesverse - und "Werthers Leiden". Die
Lyriker können ihren Federkiel jetzt wegpacken. Die Neurobiologie
hat Liebesleid und Liebeslust geortet. Venus sitzt im limbischen System.
Besonders die affektiven Zustände bei Liebeskummer, einem neuroendokrinen
Stress. Nervenzellen werden destabilisiert. Corticol bindet sich an Rezeptoren.
Endorphin- und Serotoninspiegel, elektrische Impulse und chemische Botenstoffe,
besonders das Hormon Oxytocin, bestimmen Lust und Frust. Erika Fehse hat
den Hauptbeitrag hervorragend zusammengestellt und kunstvoll bebildert.
Ethnologen, Tierphysiologen, Psychologen und Neurologen erläutern
faszinierende Zusammenhänge von Herz und Schmerz. Liebeskranke offenbaren
ihren Kummer: Sehnsucht ist eben auch eine Sucht. |