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Fremde Heimat – Das Schicksal der Vertriebenen nach 1945

Eine zweiteilige Dokumentation von Henning Burk und Erika Fehse
Infos unter: DasErste.de

Das Buch zur Fernsehserie erschienen bei rowohlt Berlin:
ISBN 978-3-87134-714-6
Hier geht es zum Verlag





 
Foto Foto Foto Foto Foto Foto „Wir haben nichts mehr, wir sind nichts mehr, wir sind am tiefsten Punkt der sozialen Leiter gelandet.“ Für den damals 16-jährigen Gymnasiasten Robert Brokoph aus dem Memelland folgte der Flucht nach Bordesholm ein Absturz ins Nichts. Der Junge, der in gutbürgerlichen Verhältnissen aufgewachsen war, musste als Knecht auf einem Bauernhof schuften.

Mehr als 12 Millionen Menschen teilten das Schicksal von Flucht und Vertreibung am Ende des Zweiten Weltkriegs. Und was erwartete die Flüchtlinge und Vertriebenen als sie in der neuen, noch fremden Welt ankamen? Wie schafften sie es, ganz von vorne anzufangen? Und wie reagierten die Einheimischen? Neunzehn Zeitzeugen, die nach Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, NRW, Hessen, Niedersachsen, Bayern und Baden-Württemberg verschlagen wurden, berichten, wie es ihnen ergangen ist.

Da sind z.B. die Cousins Peter und Horst-Dieter Lindner aus Breslau. Die Großeltern besaßen dort ein gutgehendes Fuhrgeschäft, ein Taxiunternehmen, eine Garagenvermietung und eine Kohlenhandlung. Nach der Vertreibung landete Host-Dieter mit seiner Familie in dem kleinen Dorf Maumke im Sauerland. Der Vater bekam Arbeit auf dem Sägewerk und direkt daneben eine kleine Wohnung. In unmittelbarer Nähe befand sich auch ein ehemaliges Arbeitslager der Nazis, in dem nun viele Flüchtlinge untergebracht waren. Horst Dieter Lindner schämte sich, zu denen zu gehören, die „aus dem Osten“ waren. „Ich habe immer gesagt, ich wohne auf dem Sägewerk. Und dann hieß es aber sofort: ‚Ach, da am Lager?‘ Das mit dem Lager habe ich schon vermieden. Auch in Gesprächen, wenn man dabei stand und es wurde dann über Flüchtlinge geredet und geschimpft, dann habe ich also immer so getan, als wäre ich kein Flüchtling. Damit man keine negativen Bemerkungen hörte.“

Andere hatten bessere Startchancen - wie die 150 Fischer aus Ostpreußen, die mit ihren Fischkuttern in die Kieler Förde geflüchtet waren. Aber wo sollten sie unterkommen? In dem kleinen Hafen Möltenort gab es keinen Wohnraum mehr. Alles war überfüllt. Der Vater von Gerhard Draasch aus Pillau überlegte nicht lange: „In der Heikendorfer Bucht da lagen riesige Schiffe, da lag auch der Netzleger. Und da fuhr mein Vater und drei Kutter zu diesem Netzleger hin und haben den gekapert und in den Möltenorter Hafen rein geschleppt. Da wohnten nachher ich glaub 30 oder 40 Familien.“

Ingrid Berlik aus Danzig und Hildegard Spors aus Schlochau landeten 1946 im Lager Drachensee in Kiel. In der naheliegenden Schule merkten die beiden Mädchen schnell, dass sie nicht willkommen waren. Als im Unterricht die Ursachen der Hungersnot in Schleswig-Holstein besprochen wurden, trug die Lehrerin eine interessante Theorie vor; Hildegard Spors wird heute noch wütend, wenn sie daran denkt: "Die Hungersnot sei entstanden durch diese vielen Leute, die da alle aus dem Osten gekommen sind, denen das bei ihnen zu Hause nicht mehr gefallen habe, die ein schöneres Leben haben wollten. Die sind alle hier hergekommen und deswegen hätten wir jetzt die Hungersnot. Die seien alle nur aus Spaß gekommen..." Die Flüchtlingskinder wussten, dass das nicht stimmt. Sie erinnerten sich an Tod, Vergewaltigung, Verzweiflung und Demütigung. Von diesem Tag an war die Lehrerin für Hildegard nicht mehr existent. Hildegard verweigerte die Mitarbeit, wurde stumm.

Ganz anders erging es Hartmut Brandenburg. Er war acht Jahre alt, als sein Vater Wilhelm die Familie 1949 nach Timmendorfer Strand holte. Der Vater, der schon vor dem Krieg in Rügenwalde eine kleine Wurstfabrik besaß, hatte in Klein-Timmendorf mit geliehenem Geld eine heruntergekommene Meierei gekauft, um dort die Rügenwalder Teewurst zu produzieren – der Anfang einer Erfolgsgeschichte. „Eine seiner Lebensweisheiten war ja dieses: Wissen ist Macht. Er hat immer gesagt, also, ich habe alles verloren, aber das, was im Kopf habe, das konnte mir keiner nehmen. Das was ich gelernt habe, das kann mir keiner nehmen.“ Die Firma Brandenburg war bald der größte Arbeitgeber am Ort.

Auch Werner Krokowskis Vater hatte Glück. In seiner neuen Heimat Salzgitter bekam der gelernte Stellmacher Arbeit auf der Hütte - im Gegensatz zu vielen anderen Flüchtlingen und Einheimischen. Denn große Teile der ehemaligen Reichswerke Hermann Göring waren still gelegt. Die Briten planten die Demontage und sogar die Sprengung. Werner Krokowski war dabei, als die Menschen auf die Straße gingen, um für den Erhalt des Werkes zu demonstrieren. „Ich glaube, da waren sich alle einig. Also ob Einheimische oder Flüchtlinge, die haben alle zusammen gehalten. Es haben sich auch Freundschaften entwickelt. Man könnte so sagen: Wir waren Flüchtlinge und uns wollte man nicht so haben. Aber man hat sich schnell aneinander gewöhnt und zusammengehalten.“



Autoren/Regisseure: Erika Fehse und Henning Burk
Kamera: Peter Hofmann, Pavel Schnabel
Schnitt: Ewa Jankowska
Musik: Michael Klaukien
Sprecherin: Ulrike Kriener
Fachberatung: Prof. Dr. Marita Krauss
Produktionsleitung: Katrin Klöntrup (HR), Uwe Phenn (WDR)
Redaktion: Sabine Mieder(HR), Christine Rütten(HR), Gudrun Wolter (WDR), Gabriele Trost (SWR)



 
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