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„Entführt - Menschenraub im Kalten Krieg”

 

Es klingt, als seien die Geschichten einem Krimi entnommen. Doch sie haben sich tatsächlich zugetragen - in der Spionagehochburg Berlin, in den 50er Jahren. Hier bekämpften sich die politischen Systeme, Ost gegen West, West gegen Ost. Nachrichtendienste, Presseorgane, Parteien, alle waren beteiligt. Vom Westen aus versuchte man die DDR zu destabilisieren, der Osten verfolgte die Gegner des Regimes gnadenlos — bis hinein nach Westberlin. Bis zum Mauerbau wurden über 600 Menschen vom Westteil der Stadt in die DDR verschleppt. Der Film stellt vier von ihnen vor.

Kölner Stadt-Anzeiger

 

Erich Kieckhöfel, damals 21 Jahre alt, wurde als sogenannter Parteiverräter "zurückgeholt". Eigentlich sollte er in der SED eine große Karriere machen, hatte sich aber nach Westberlin abgesetzt und dort mit widerständigen SPDlern zusammengetan. Ein "guter Freund" wurde auf ihn angesetzt und lockte ihn über die Grenze. Die Verhaftung war bis ins kleinste Detail geplant. Fünf einhalb Jahre Sibirien folgten.

 

Karl Wilhelm Fricke schrieb als Jungjournalist gegen die DDR an. Bei der Staatssicherheit vermutete man wegen seiner detailreichen Kenntnis, dass er Kontaktleute im Osten haben müsse. Um diese angeblichen "Agenten" festnehmen zu können, brauchte man Fricke. Geheime Mitarbeiter der Staatssicherheit verabreichten ihm eine Schlaftablette in einem Glas Weinbrand. Dann wurde er im Kofferraum eines Autos in die DDR transportiert. Vier lange Jahre verbrachte er in Einzelhaft.

 

Niki Glyz kam eher zufällig mit dem Ostbüro der SPD in Kontakt — in den Augen der DDR-Oberen eine gefährliche Spionageorganisation. Um ihre "Überführung" in das "demokratische Berlin", wie es damals hieß, zu planen, wurden gleich mehrere freiwillige Mitarbeiter der Staatssicherheit auf sie angesetzt. Die Berichte dieser Mitarbeiter zeugen von Fantasie, erzählen von narkotisierenden Pralinen und einem Kinobesuch. Auf dem Vordersitz eines Autos wurde ihr ein Gürtel um den Hals gelegt, damit sie sich nicht wehren konnte während der Fahrt über die noch offene Grenze. Nach zweieinhalb Jahren Gefängnis kam sie wieder frei.

 

Gerd Sommerlatte, der als junger Volkspolizist während seines Dienstes am Brandenburger Tor geflohen war, wurde Opfer eines zufällig zustande gekommenen Deals zwischen zwei Kleinkriminellen und zwei Beamten der Staatssicherheit. Der Handel: Wenn die beiden einen Deserteur entführen würden, sollten sie ihrer Strafe entgehen. Sommerlatte wurde nach einer Zechtour betrunken über die Grenze gebracht. Das Urteil: 10 Jahre Zuchthaus.

 
 

Vier vergessene deutsch-deutsche Schicksale: Der Filmemacherin Erika Fehse ist es gelungen, mit diesen vier Menschen noch einmal an die Orte des Geschehens zu gehen und sie zu bewegen, ihre Geschichten zu erzählen. Entstanden ist so eine eindringliche Dokumentation, ein spannendes Stück Zeitgeschichte, die den Zuschauer bis zum Schluss gefangen hält.

Buch und Regie: Erika Fehse
Kamera: Jörg Adams
Schnitt: Bettina Strunk
Ton: Axel Schmidt
Musik: Andreas Schilling
Hergestellt von
Filmproduktion Loeken Franke, Köln
Redaktion:
Sabine Rollberg (WDR / ARTE), Gudrun Wolter (WDR)

 

 
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